Fragmente der Stimme, Echos der Erinnerung
Mit großer Freude kündigt Sargasso die Veröffentlichung von Hanami an, einem eindrucksvollen Porträt des vokalen, kammermusikalischen und elektroakustischen Universums des italienischen Komponisten Daniele Venturi, das Kompositionen aus den Jahren 2010 bis 2026 vereint. In acht Werken für Stimme, Elektronik und intime kammermusikalische Besetzungen erforscht Hanami die menschliche Stimme als Ort der Verwandlung: fragmentiert, vervielfacht und neu imaginiert durch ein raffiniertes Zusammenspiel von Poesie, Mikrotonalität und klanglicher Raffinesse.
Ausgehend von Texten, die von japanischen Haikus von Matsuo Bashō und Kobayashi Issa über Federico García Lorca bis hin zu anonymen Gedichten und alten französischen Sprichwörtern reichen, behandelt Venturi die Sprache nicht als Erzählung, sondern als Klangmaterial. Worte werden zu Impulsen für vokale Gesten, phonetische Geflechte und komplexe elektronische Klangarchitekturen. In Werken wie Para la madre und Eco III werden voraufgenommene Vokalklänge geschichtet und in dichte elektronische Chöre sowie imaginäre instrumentale Klangkörper verwandelt, wodurch die expressiven und räumlichen Möglichkeiten der menschlichen Stimme erweitert werden.
Venturis musikalische Sprache verbindet strenge strukturelle Kontrolle mit intensiver poetischer Sensibilität. Mikrotonale Schattierungen, Bezüge zu nahöstlichen Modalsystemen und Anklänge an die Avantgarde des 20. Jahrhunderts verschmelzen zu Klanglandschaften von eindringlichem Lyrismus und psychologischer Tiefe. Auch Bassflöte, Gitarre und Marimba erscheinen als Erweiterungen der Stimme, geprägt durch feinste dynamische Abstufungen und eine außerordentlich differenzierte Klanggestaltung.
Eingespielt von einem internationalen Kreis herausragender Musikerinnen und Musiker und aufgenommen in Italien, Griechenland und Frankreich, ist Hanami zugleich ein intimes Hörerlebnis und eine kühne Erforschung zeitgenössischen vokalen Ausdrucks. Das Album bündelt sechzehn Jahre künstlerischer Forschung, in denen Elektronik nicht als dekoratives Element erscheint, sondern als wesentliche kompositorische Kraft, die die Grenzen zwischen akustischen und synthetischen Klangwelten neu definiert.
TRACKLISTE:
1. Para la madre [7:47]
für Sopran und Elektronik;
anonyme Gedichte – Giulia Zaniboni, Sopran
2. Oru [2:51]
für Mezzosopran und Bassflöte;
Gedicht von Issa Kobayashi – Virginia Guidi, Mezzosopran; Monica Moroni, Bassflöt
3. Eco II [1:18]
für Mezzosopran;
Gedicht von Federico García Lorca – Angelica Cathariou, Mezzosopran
4. For Rob [4:32]
für Countertenor und Gitarre;
Gedicht von Gustavo Adolfo Bécquer – Alessandro Carmignani, Countertenor; Vincenzo Saldarelli, Gitarre
5. Hanami [3:39]
für Mezzosopran;
Gedicht von Issa Kobayashi – Virginia Guidi, Mezzosopran
6. Eco III [8:13]
für elektronischen Chor;
Gedicht von Federico García Lorca – Angelica Cathariou, Mezzosopran
7. Ara [10:23]
für Sopran;
Gedicht von Matsuo Bashō – Elisa Prosperi, Sopran
8. Nonsense 21 [5:27]
für Sopran, Marimba und Elektronik;
nach sechzehn alten französischen Volkssprichwörtern – Marion Tassou, Sopran; Laurent Mariusse, Marimba
CREDITS:
Komponist: by Daniele Venturi
Texte von: anonymen Autoren, Kobayashi Issa, Federico García Lorca, Gustavo Adolfo Bécquer und Matsuo Bashō.
Aufnahmen: Entstanden in Italien, Griechenland und Frankreich zwischen 2025 und 2026.
Audio-Schnitt und elektronische Produktion: Daniele Venturi.

